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Direkt gegenüber dem Rathaus befindet sich das Deserteursdenkmal.

 

denk mal an den unbekannten deserteur
 

Als sich in Hannover eine "Selbstorganisation der Zivildienstleistenden und Totaler Kriegsdienstverweigerer" (SOdZDL / TKDV) gegründet hatte, entstand, bei der Überlegung zu Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit, die Idee, eine Skulptur für den "unbekannten Deserteur" zu entwerfen und auszuarbeiten. Damit sollte zugleich auf die Totalverweigerung von Arne Witt hingewiesen und eine Basis für die Diskussion über die Desertionsproblematik geschaffen werden.

Im Rahmen des Sommerfestes '90 der Uni Hannover wurde das Konzept des Denkmals umgesetzt. Auf einer Betonplatte von einem Quadratmeter Grundfläche liegen ein hingeworfener Stahlhelm und ein Paar Kampfstiefel. Zu den Kriegsutensilien führen Abdrücke von diesen Stiefeln, während sich Fußabdrücke in eine andere Richtung entfernen - "weg von den Attributen des Militärs" (Arne).

Mit einer öffentlichen Enthüllung auf dem Kröpke, einem bekannten Platz in Hannover, wurde das Deserteursdenkmal den PassantInnen und der Presse von den Erbauern vorgestellt (Mitglieder der SO / TKDV). Anschließend wurde es zu seinem Bestimmungsort gebracht, vor das neue Rathaus, wo es der Stadt überreicht wurde. Mit Ausnahme der Grünen waren allerdings keine städtischen VertreterInnen anwesend, obwohl ausdrücklich auch andere eingeladen waren - wen wundert's? Schließlich wurde das Denkmal gegen die Stimmen der Grünen vom Rat der Stadt abgelehnt.

Dennoch steht das Denkmal noch vor dem Rathaus, selbst in einem Kunstband über "Hannovers Kunst im Öffentlichen Raum" ist es - negativ - erwähnt.

copyright text: Ingeburg Peters, Link:  http://www.city-zeitung.de
 

In Anwesenheit der Tocher Robert Gauweilers wurde am 03.03.2009 vor dem Wohnhaus Gauweilers in der Dieterichstr.14 für ihn ein Stolperstein gesetzt.

 

Jährlich zum Volkstrauertag wird an der Ägidientorkirche durch die DFG-VK an Deserteure erinnert und ein Kranz nierdergelegt.

Den zugehörigen Flyer gibt es hier zum Download als pdf-Datei.

Gräber auf dem Fössefriedhof
 

Unscheinbare Gräber sind es, die Klaus Falk von der DFG-VK auf dem Fössefriedhof fand. Und doch ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, Dokument der Brutalität des Faschismus. Deutsche Soldaten hingerichtet, weil man ihnen Fahnenflucht oder Wehrkraftzersetzung vorwarf. Was es mit den Gräbern auf dem Fössefriedhof auf sich hat, berichtet Klaus Falk:
„Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bz. Hannover, hat uns mitgeteilt, dass auf dem ehemaligen Garnisonfriedhof (Fössefriedhof) auch Soldaten bestattet sind, die wegen Desertion bzw. Wehrkraftzersetzung“ verurteilt und hingerichtet worden sind.
 
Auf einem abgegrenzten Gräberfeld (Abtlg. 18) haben wir die Gräber der Soldaten
 

Hubert Breitschaft, geb. 11.11.1903 in Cham(Wetterfeld/Roding/Oberpfalz), hingerichtet am 12.12.1944,in Hannover/Vahrenheide

Karl Weinmann, geb. 19.5.1895, aus Speyer, hingerichtet am 29.12.1944 in Hannover/Vahrenheide
Hans Ciesielski, geb. 10.5.1920, hingerichtet am 30.12.1944 in Hannover/Vahrenheide, gefunden
 
Breitschaft und Weinmann (s. Fotos)wurden wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und waren bis zur Vollstreckung des Urteils im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Hannover (Waterlooplatz 9) inhaftiert. Zu Ciesielski sind uns keine Informationen bekannt, außer dass er gemäß Gerichtsurteil erschossen wurde.
 
In dem Gräberfeld, sind die o.g. drei Soldaten fast hintereinander bestattet worden. Dies erklärt sich aufgrund der kurz hintereinander erfolgten Hinrichtung. Nach weiteren Recherchen in verschiedenen Archiven, konnten noch weitere hingerichtete Soldaten auf diesem Friedhof ermittelt werden. Im Gräberfeld Abtlg. 21 wurden 3 Soldaten der Division 171 bestattet, die alle wegen Fahnenflucht erschossen worden sind. Die Gräber liegen in einer Reihe.
 
Wilhelm Pohl, geb. 11.6. 1912 in Duisburg, , hingerichtet am 22.1.1941
Henry Stucke, geb. 4. 5. 1910 in Lauenenstein, , hingerichtet am 8.8.1940
Franz Trepesch, geb. 6. 9. 1910, , hingerichtet am24. 10. 1940
Waldemar Becker, geb. 2.3.1900, erschossen am 27.3.1942
Anton Johannes Biesterfeld, geb. 16.12.1919 Breda/Holland, wg. Fahnenflucht erschossen am 09.11.1944,
Erwin Branoner, geb..05.1903 Rixdorf, wg. Fahnenflucht erschossen am 11.09.1944 07.06 Uhr
Richard Browatzki, geb. 24.10.1912, wohnhaft Elbing, erschossen am 12.09.1944 06.52 Uhr
 
Die auf dem Friedhof in Hannover bestatteten erschossenen 15 Soldaten stammten alle nicht aus Hannover. Angesichts der doch großen Zahl von zum Tode verurteilten Soldaten und der 22.000 tatsächlich vollstreckten Todesurteile, muss davon ausgegangen werden, das außer den 10 bisher ermittelten noch mehr Soldaten auf diesem Friedhof liegen, die hingerichtet worden sind. Es gibt mittlerweile weitere Namen, die uns aber noch nicht schriftlich mitgeteilt worden sind.
Bei der Größe der Garnison Hannover, die auch der Standort eines Wehrmachtsuntersuchungsgefängnisses war, muss man von einer ähnlichen Größenordnung wie in Kassel nach den Untersuchungen von Prof. Kammler ausgehen, d. h. unter den Hingerichteten waren ca. 50 – 100 Soldaten aus Hannover. Bisher konnten insgesamt 30 Soldaten aus Hannover ermittelt werden, die in anderen Städten hingerichtet worden sind.
Die verhängten Todesurteile der im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis inhaftierten Soldaten wurden auf dem Schießplatz der Wehrmacht in Hannover-Vahrenheide, auf dem Gelände der heutigen Emmich-Cambrai-Kaserne (ehem. Offizierschule des Heers) vollstreckt.
Mittlerweile haben wir ein Dokument zu Anton Johannes Biesterfeld, auf dem als Hinrichtungsort „Garnisonsschiessplatz Hannover verzeichnet ist.
 
Um Ihnen zu gedenken soll eine Tafel auf dem friedhof angebracht werden. Den Aufruf dazu gibt es hier als PDF