Deserteure Hannover
 
invisible: Deserteure in und aus Hannover  
20 | 05 | 2012

Terminhinweis:

Desertion und Männlichkeit

11.5.2012, 19:00 h, Leipzig, linXXnet, Bornaische Str. 3d

Veranstalter: linXXnet e.V.

Deserteure sind „Feiglinge“ „Drückeberger“ und „Weiber“. Deserteure sind Helden im antifaschistischen Kampf. Diese Bilder derjenigen, die sich dem Krieg entzogen, herrschten – je nach Sichtweise - uneingeschränkt bis in die 1980er Jahre vor. Ralf Buchterkirchen geht, ausgehend von Männlichkeitsbildern und der Militärjustiz als willfähriger Repressionsstruktur der Nazis, der Frage nach, wie und warum Soldaten des Zweiten Weltkrieges den Gehorsam verweigerten und wie sie selbst mit diesen ihnen zugewiesenen Stereotypen umgingen. Hinterfragt wird vor diesem Hintergrund auch, die nicht erfolgte Rehabilitation direkt nach Kriegsende. Dabei wird deutlich, wie Männlichkeitsforschung neue Ansätze liefern kann, Desertion als individuelle Entscheidung vor dem Hintergrund von Repression zu verstehen und damit auch Deserteuren und den ihnen Helfenden angemessen zu gedenken.

Ralf Buchterkirchen ist aktiv in der Initiative für ein Deserteursdenkmal Hannover ( www.deserteure-hannover.de) und hat vor kurzem dazu ein Buch veröffentlicht: "... und wenn sie mich an die Wand stellen": Desertion, Wehrkraftzersetzung und "Kriegsverrat" von Soldaten in und aus Hannover 1933-1945, Edition Region & Geschichte, ISBN 3930726165

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Deserteure der Wehrmacht 1939 - 1945 in und aus Hannover.

Im Zweiten Weltkrieg sind von der Wehrmachtjustiz mindestens 30.000 Todesurteile wegen  “Fahnenflucht" (Desertion), "Wehrkraftzersetzung" und "Kriegsverrat"  verhängt worden. Mindestens 21.000 davon wurden vollstreckt. Unbekannt ist die zahl derer, die durch Standgerichte in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges hingerichtet wurden. Grundlage für diese Urteile der NS-Militarjustiz war die Kriegssonderstrafrechtsverordnung, flankiert von der Kriegsstrafverfahrensordnung, die beide auf Anordnung Hitlers mit dem Einmarsch der Wehrmacht nach Polen in Kraft gesetzt wurden.

Desertion und militärischer Ungehorsam

Die Desertion in der Wehrmacht war überwiegend ein individueller Akt des Ungehorsams gegen das militärische Prinzip von Befehl und Gehorsam. Sie geschah selten an der Front, häufiger dagegen beim Heimaturlaub. Der Deserteur entzog sich dem Militär durch Flucht und irrte häufig ruhe- und  rastlos umher. Er brauchte Essen, Kleidung, Unterkunft und Geld. Die nötige Hilfe bekam er häufig von Frauen. Er mußte seine Identität verbergen, sich verstecken und immer mit der Angst leben, entdeckt oder denunziert und verhaftet zu werden. Alfred Andersch beschrieb seine Desertion als Weg in die Freiheit und in die Einsamkeit: “Deserteure sind Menschen, die sich selbst in die Wüste schicken.”

Die Motive und Verlaufsformen der Desertion waren ebenso verschieden, wie die Formen von Widerstand und Verweigerung. Man wird von mehreren hundertausend Wehrmachtsoldaten ausgehen müssen, die sich auf die eine oder andere Weise dem Kriegsdienst entzogen haben. Es gab nicht den typischen Deserteur.

Folgende Formen des Ungehorsams lassen sich benennen:

- die offene Kriegsdienstverweigerung, z.B. durch Musterungs-, Einberufungs- oder  Eidverweigerung,

- die latente Form, z.B. durch Erlangung der “Wehrunwürdigkeit” oder illegale Auswanderung,

- die Flucht, wie z.B. vorübergehende unerlaubte Entfernung, Fahnenflucht, Überlaufen, aber  auch Selbstmord,

- Wehrkraftzersetzung, passive Befehlsverweigerung, Wehrdienstentziehung durch Selbstverstümmelung oder durch Simulation von Krankheiten,

- aktive Gegengewalt wie tätlicher Angriff oder Tötung eines Vorgesetzten, Sabotage, aktive Befehlsverweigerung oder Meuterei/Aufruhr.

 

Soldaten in und aus Hannover

Hannover war nicht nur rüstungsseitig eine der kriegswichtigsten Stätten des Deutschen Reiches. Neben zahlreichen Rüstungs- und Zulieferfirmen wie Continental oder Hanomag, hatten auch zahlreiche Divisionen und Wehrverwaltungen ihren Sitz in Hannover. Hier wurden an neun Militärgerichten Soldaten abgeurteilt, hier wurden diese in Hannover-Vahrenheide hingerichtet und auf dem Fössefeldfriedhof begraben. Um diese Soldaten und um die jenigen, die aus Hannover kamen und an den Kriegsfronten sich dem gehorsam verweigerten, soll es auf dieser Seite gehen.

Die Informationen auf dieser Seite beruhen auf jahrzehntelanger Arbeit von Klaus Falk, der diese Informationen für diese Seite zur Verfügung stellte.

Eine Dokumentation von Klaus Falk mit zahlreichen Quellverweisen findet sich im Downloadbereich.

 
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neu erschienen:

Ralf Buchterkirchen
“... und wenn sie mich an die Wand stellen”

Desertion, Wehrkraftzersetzung und “Kriegsverrat”
von Soldaten in und aus Hannover 1933-1945

Inhaltsverzeichnis und Einleitung (pdf)

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Initiative für ein Deserteursdenkmal in Hannover